Aktuelles

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Aktienmarkt- und Zinsausblick 2016

Mit einem historisch schwachen Jahresauftakt des DAX wurde das neue Börsenjahr eröffnet – in der ersten Woche verbuchte er bereits einen Verlust von ca. 8%. Unter diesen Vorzeichen scheint ein positives Börsenjahr 2016 schwieriger denn in den vergangenen Jahren. Immerhin hatte der DAX in den letzten vier Jahren jeweils ein positives Resultat verzeichnen können. Sogar seit dem Jahr 2009 gab es – mit Ausnahme des Jahres 2011, als die Griechenland-Krise belastete – nur positive Jahresergebnisse für den deutschen Leitindex.

Steht also eine Konsolidierung im aktuellen Jahr an?

Die Vorzeichen sind tatsächlich so ungünstig wie seit 2011 nicht mehr. Die Anzahl der Risikofaktoren, welche zu einer Belastung für die Aktienmärkte werden könnten, ist höher als in den letzten Jahren. Auf der anderen Seite sind aber die Gewinnaussichten der Unternehmen aktuell noch stabil, der niedrige Ölpreis und die niedrigen Zinsen sollten die Konjunktur weiter stützen. Aufgrund der schwachen Aufwärtsdynamik überwiegen unseres Erachtens aber die Risiken gegenüber den Chancen.

China:

China ist zu einem wichtigen Faktor in der Weltwirtschaft geworden. Das ist auch an den Börsen spürbar. Schon der chinesische Börsencrash 2015 (die Börsen dort gaben im Sommer um über 40% nach) hatte Auswirkungen auf die USA und Europa. Das schwache Wachstum der chinesischen Wirtschaft, das ein 6-Jahrestief erreicht hat, wirkt sich auch auf die Exporteure vor allem in Deutschland aus. Insofern bleiben die Entwicklungen in China auch für europäische und amerikanische Aktienmärkte relevant.

Sollte es der Regierung in Peking in diesem Jahr nicht gelingen, die Wachstumsschwäche zu überwinden und die Börsen zu stabilisieren, wird diese Unsicherheit auch in Europa zu weiterem Verkaufsdruck führen. Der regelmäßige Blick nach China ist also für 2016 relevant, um die Chancen und Risiken für die Aktienmärkte beurteilen zu können.

Ölpreis:

Der Ölpreis hat mittlerweile seine Tiefstwerte aus den Jahren 2008/2009 mit ca. 30 US-Dollar erreicht! Diese negative Entwicklung hat selbst die kühnsten Analysten überrascht. Zwischen 2010 und 2014 zeigte sich das Öl stabil mit Werten zwischen 70 und 115 USD. Ende 2014 setzte, bedingt durch politische Ursachen und die Politik der OPEC, der Abwärtstrend ein.

Welche Auswirkungen hat der Ölpreis auf die Aktienmärkte?

Grundsätzlich bedeutet ein geringer Ölpreis einen Anstieg des Konsums, da die Verbraucher mehr Geld zur Verfügung haben. Die negativen Auswirkungen beschränken sich hauptsächlich auf die ölexportierenden Länder (z.B. Russland, Venezuela, Brasilien), die allerdings mit schweren Rezessionen zu kämpfen haben. Für die Aktienmärkte sollten die positiven Effekte des Ölpreises aktuell überwiegen. Allerdings besteht dann ein Risiko, wenn der Ölpreis im Laufe des aktuellen Jahres zu einer Gegenbewegung ansetzt und einen Teil der deutlichen Verluste der letzten Monate wieder wettmacht.

Griechenland:

Die Unsicherheiten hinsichtlich der Entwicklung in Griechenland sorgten zur Jahresmitte 2015 für deutliche Schwankungen an den Aktienmärkten. Dabei sind die Probleme dort noch lange nicht gelöst. Die finanzielle Unterstützung Europas verschafft Griechenland Zeit, strukturelle Reformen umzusetzen. Wenn diese allerdings nicht ausreichend vollzogen werden, wird Griechenland regelmäßig frisches Geld benötigen. Genau dort liegt das Risiko für die Aktienmärkte: Wiederkehrende Verhandlungen sorgen für neue Unsicherheit und damit für fallende Börsen.

Wir sehen es als wahrscheinlich an, dass Griechenland im aktuellen Jahr die Aktienmärkte temporär wieder belasten wird.

US-Dollar:

Der Dollar erreichte Anfang 2015 zum Euro ein 12-Jahreshoch, und bis heute konnte sich der Euro davon nicht nachhaltig erholen. So positiv der starke Dollar für den europäischen Export ist, so ist er aber für die sogenannten Emerging Markets ein Risiko: Viele Schwellenländer sind in US-Dollar verschuldet, das heißt sie müssen den nun starken USD kaufen, um den Schuldendienst zu leisten. Das belastet die Haushalte dieser Staaten deutlich. Die Stabilität der Schwellenländer ist aber für das globale Wachstum relevant, weswegen sich potenzielle Schwierigkeiten dort auch auf die Unternehmensgewinne der Industrieländer auswirken können.

Und zuletzt gilt es sich immer wieder bewusst zu machen, dass nicht alle möglichen Risiken ex ante erkennbar sind.

Unvorhergesehen Ereignisse treten regelmäßig auf und beeinflussen die Märkte.

Fazit Aktienmärkte:

Die Risikofaktoren sind größer als in den Vorjahren. Zwischenzeitliche Kursrückgänge an den Aktienmärkten sollten dieses Jahr somit eingeplant werden. Vielleicht liegt genau darin die Chance: Denn auch die Europäische Zentralbank bleibt ein wichtiger Einflussfaktor für die Börsen. Es ist damit zu rechnen, dass durch die EZB-Politik immer wieder positive Signale die Aktien stützen werden. Sollten also durch ein schlagend werdendes Risiko die Aktienmärkte deutlich fallen, ergeben sich durchaus Kaufgelegenheiten.

Wie geht es mit den Zinsen weiter?

Im Dezember schrieb die US-amerikanische Notenbank Fed Geschichte: Mit der Erhöhung des Leitzinses leitete sie die lang erwartete Zinswende ein. Dies war die erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren und gilt als Signal, dass die Krise überwunden ist. Welche Auswirkungen hat das auf den langfristigen Zins? 10-jährige US-Staatsanleihen notieren etwas über 2,0%. Überträgt man diese Werte auf ein mögliches europäisches Zinsszenario, dann müssten deutsche Staatsanleihen von aktuell 0,5% um 1,5%-Punkte steigen, für den Fall, dass die Zinswende auch Europa erreicht. Dieses Szenario ist allerdings für dieses Jahr und auch für nächstes Jahr unwahrscheinlich. Denn die Europäische Zentralbank hat im Dezember 2015 das Anleihekaufprogramm bis März 2017 verlängert. Auch danach sollte es noch etliche Monate dauern, bis die EZB die Zinsen gedenkt zu erhöhen. Außerdem hat eine Zinserhöhung in Europa ganz andere Implikationen als in den USA: Durch die nach wie vor hohe Verschuldung der EU-Staaten würde eine Zinserhöhung die Haushalte stark belasten. Auch Deutschland profitiert aktuell von den niedrigen Zinsen und nimmt Kredite sogar zu negativen Renditen auf. Die Zinserhöhung kann also erst dann erfolgen, wenn die Schuldensituation in Europa sich verbessert hat – ein Prozess, der sogar noch eine Dekade dauern kann.

Bitte beachten Sie, dass diese Informationen eine persönliche Beratung durch einen Anlageberater nicht ersetzen. Wenn sie eine persönliche Anlageberatung wünschen oder Fragen haben, stehen wir Ihnen gern zur Seite. Kommen Sie einfach auf uns zu!